Sachstand zur Vorbereitung der Stadt Rheinbach auf langanhaltende Stromausfälle

Die jüngsten Ereignisse in Berlin haben uns vor Augen geführt, wie fragil kritische Infrastrukturen sein können und wie schnell grundlegende Versorgungssysteme – von der Heizung bis zur digitalen Kommunikation – ausfallen können. Vor diesem Hintergrund ist es die Pflicht der Kommunalpolitik, den Status quo der lokalen Krisenprävention kritisch zu hinterfragen.

Als FDP-Fraktion haben wir daher am 9. Januar 2026 eine förmliche Anfrage an die Stadtverwaltung gerichtet, um die Einsatzpläne und Vorkehrungen für ein „Blackout“-Szenario in Rheinbach zu prüfen. Die nun vorliegende Antwort der Verwaltung belegt, dass die Stadt Rheinbach – auch als Lehre aus dem Flutereignis 2021 – ein fundiertes Resilienzkonzept erarbeitet hat.

Im Folgenden fasse ich die wesentlichen Erkenntnisse aus der Verwaltungsantwort für Sie zusammen:

1. Infrastrukturelle Härtung: Notfall-Meldestellen und Selbsthilfe-Standorte

Die Verwaltung hat ein dezentrales Netz an Anlaufstellen etabliert, die im gesamten Stadtgebiet (Kernstadt und Ortschaften) verfügbar sind und über eine unabhängige Notstromversorgung verfügen. Hierbei wird differenziert vorgegangen:

  • Sicherung der Kommunikation (12 Notfall-Meldestellen): Diese dienen primär der Aufrechterhaltung der Meldeketten. Bürger können hier Notrufe absetzen, Kontakt zur Verwaltung aufnehmen und gesicherte Informationen erhalten, wenn Telefon- und Mobilfunknetze ausfallen.
  • Stärkung der Eigenverantwortung (11 Selbsthilfe-Standorte): Diese Einrichtungen sind darauf ausgelegt, die Bevölkerung bei der Selbst- und Nachbarschaftshilfe zu unterstützen. Neben der Möglichkeit, sich aufzuwärmen oder medizinische Erstversorgung zu erhalten, können hier auch mobile Endgeräte geladen werden.

2. Ausfallsicherheit der Kommunikationswege

Ein kritischer Faktor in Krisenlagen ist der Informationsfluss. Die Stadt Rheinbach hält hierfür einen dreistufigen Notfallkommunikationsplan vor, um die Verbindung zwischen dem Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE), der Technischen Einsatzleitung (TEL) und dem Rhein-Sieg-Kreis zu gewährleisten.

Die Rückfallebenen umfassen:

  1. Satellitengestützte Kommunikation (VoIP und Mail via VPN).
  2. BOS-Funk im Direktbetrieb.
  3. Motorisierte Melder als letzte physische Rückfallebene.

Für die Warnung der Bevölkerung besteht ein abgestimmtes Konzept mit dem Rhein-Sieg-Kreis, das neben digitalen Kanälen auch analoge Mittel wie Lautsprecherdurchsagen und Aushänge priorisiert, sollte die digitale Infrastruktur versagen.

3. Operative Einsatzbereitschaft

Konzepte müssen in der Praxis bestehen. Die Funktionsfähigkeit der Systeme wurde zuletzt im Oktober 2023 im Rahmen einer groß angelegten Übung unter Beteiligung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz erfolgreich getestet. Zudem sind die Treibstoffversorgung für notstrombetriebene Gebäude sowie die personellen Abläufe in den Krisenstäben vertraglich und organisatorisch geregelt.

Fazit der FDP-Fraktion

Die Ausführungen der Verwaltung zeigen, dass Rheinbach auf Szenarien eines langanhaltenden Stromausfalls vorbereitet ist. Das etablierte Konzept der Selbsthilfe-Standorte begrüßen wir ausdrücklich: Es ist ein liberaler Ansatz, der staatliche Daseinsvorsorge mit bürgerschaftlicher Eigenverantwortung klug verknüpft.

Wir werden als Fraktion weiterhin darauf achten, dass diese Konzepte regelmäßig evaluiert und der Bevölkerung kommuniziert werden. Ich empfehle jedem Haushalt, sich proaktiv über den nächstgelegenen Selbsthilfe-Standort zu informieren.

Weiterführende Informationen:

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